41. Müssen wir strategisch oder wissenschaftlich denken?

Tagesgedanke:

Wir brauchen strategische und wissenschaftliche Denker, um im 21. Jahrhundert zu überleben.

 

Zum Nachdenken über Tags:

Machen wir uns zuerst den Unterschied klar. Strategen denken von den grundsätzlichen Zielen her [siehe z. B. 11. Strategie für Europa im 21. Jahrhundert]. Doch es gibt tausend widerstrebende Kräfte und Einwendungen. Für die Politik gilt: Hinter jedem Missstand sitzt einer, der Nutzen daraus zieht. Strategen müssen ein Gemeinwesen, ein Unternehmen oder eine Organisation zu den strategischen Zielen führen. Dazu müssen sie Entscheidungen treffen. Und Entscheiden ist immer Handeln unter Unsicherheit mit Erwartungen und Bewertungen.

Diese Ziele müssen immer eindeutig, klar, für alle Beteiligten verständlich und verbindlich sein. Bei Unternehmen und Organisationen aller Art ist das langfristige Überleben das oberste strategische Ziel. Zielloses Handeln führt zu politisch-strategischem Versagen. Denn Politik heißt im Staat oder Unternehmen, den notwendigen zeitgemäßen Wandel durchzuführen. Politik ist immer in Bewegung und steht ständig vor neuen Herausforderungen.

Wissenschaftler haben ganz andere Aufgaben und denken anders. Sie wollen die Welt verstehen und es dabei ganz genau und sicher wissen, am besten wissenschaftlich beweisen. Sie dringen bis in die Einzelheiten und Besonderheiten ihres Fachgebiets vor. Dadurch erkennen und erforschen sie Neues. Erfindungen und Neuerungen sind die Wurzeln unseres Wohlstands, ohne sie drohen Arbeitslosigkeit und Armut. Darum sind Naturwissenschaftler und Ingenieure so wichtig. [vgl. Geld- oder Globalsteuerung – Fehlsteuerung]

 

Zur Vertiefung:

Wie viel Wissenschaft brauchen Führungskräfte in Politik und Wirtschaft, wie viel Strategie müssen Wissenschaftler beherrschen?

Strategen müssen nicht nur die strategischen Ziele kennen, sie müssen auch abschätzen können, ob diese mit den vorhandenen Mitteln erreichbar sind: Was haben wir, was brauchen wir noch? Außerdem müssen sie die Leistungsfähigkeit ihrer Organisationen (Verwaltungen, Heer, Wirtschaft usw.) kennen.

In der Politik prallen vor allem geistige und moralische Kräfte aufeinander. Die Bewertung der materiellen, mathematischen, geographischen und statistischen Dinge ist verhältnismäßig einfach; schwieriger ist das Erfassen der geistigen Kräfte, die im Spiel sind. Das sind u.a. Wagemut und neue Idee, Führung und Willenskraft, Zusammengehörigkeitsgefühl, gemeinsame Werte und vieles mehr. [so auch Carl v. Clausewitz, Vom Kriege, Ullstein 1980, S. 149]

Nicht nur die Weltpolitik, sondern vor allem auch der globalisierte Weltmarkt ist ein Kampfplatz von mächtigen Staaten und Kulturkreisen, von Mono- und Oligopolen, von großen Wirtschafts- und Kapitalgesellschaften. [siehe u.a.: Der Mittelstand schmilzt wie das Eis im Klimawandel] Den machtfreien, vollkommenen Markt von Adam Smith gibt es nur in der neoliberalen Theorie, nur dort funktionieren die mathematisch-statistischen Modelle.

Die Wissenschaft kann nicht unmittelbar das Gemeinwesen steuern oder führen. Doch auch sie muss in ihrem jeweiligen Fachgebiet für die obersten strategischen Ziele, wie das langfristige Überleben, arbeiten und forschen. Insoweit hat auch die Wissenschaft strategische Ziele, nämlich ihrem Gemeinwesen zu dienen, das sie erhält. Doch sie vertieft sich stets und mit besonderer Hingabe in die Einzelheiten und Besonderheiten.

Falsch ist es, wenn die Politiker die Wissenschaft für ihre Machtkämpfe missbrauchen, wissenschaftliche Schein- und Rechtfertigungsgutachten einfordern – was heute massenweise geschieht.

Falsch ist auch, wenn die Wissenschaftler Politik machen wollen. Der Naturwissenschaftler Hans Mohr zog dazu in einen Festvortrag vor der Heidelberger Akademie der Wissenschaften richtig die Grenzen. Er meinte, die Menschen und insbesondere die Politiker erwarten heute von den Wissenschaftlern mehr als sie leisten können: „Sie erwarten von uns nicht nur Verfügungswissen, sondern auch Orientierungswissen. Und diese Erwartung kann nicht erfüllt werden. Die Wissenschaft – so lautet meine These – ist kompetent für Verfügungswissen, aber wir sind keine Experten für Orientierungswissen. … Die für manche Wissenschaftler so schmeichelhafte These, wissenschaftliche Kompetenz impliziere ein hohes Maß an Orientierungswissen und politischer Vernunft, wird durch die Erfahrung nicht gedeckt.  … Wir kommen – so scheint es – über Max Weber nicht hinaus: Für die wichtigsten aller Fragen, wie soll ich mein Leben führen, fehlt der Wissenschaft die Kompetenz.“ Und später heißt es: „Politische Kultur in der modernen, durch Wissenschaft und Technik geprägten Welt setzt aber eine rigorose Trennung von wissenschaftlicher Aussage und politischer Wertung voraus.“ [Hans Mohr, Wissen und Handeln aus der Sicht des Naturwissenschaftlers, in: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für 1988, S, 62 ff., 67]

Dem müssen wir zustimmen, wenn wir nochmals die Abgrenzung im Tagesgedanken „Erziehung und Bildung, Weisheit und Wissenschaft“ durchdenken.

 

One thought to “41. Müssen wir strategisch oder wissenschaftlich denken?”

  1. Wer hat weltweit die stärkste Willensdurchsetzungsdichte? Die „Arbeiterschaft“? Der „Mittelstand“? Die „Nationalstaatlichkeiten“? Die „Geldschöpfer“? Die „Bilderbergisten und Thinktankstiftungen“? Besondere „Einzelpersönlichkeiten?“ Wer bestimmt, was „Wissen-schaftlichkeit“ ist? Wer, was „gute Politik“ ist? Wer bestimmt, was ein „Heilmittel“ sein darf?Fragen, zu denen es interessante Antworten gibt.

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