6. Die Krise der Christen

Tagesgedanke:

Den Kirchen laufen die Leute weg. Sie sind in Verkündungsnot.

In meiner Jugend gingen wie die Generationen davor alle Katholiken sonntags in die Kirche. Einige Male fragte der Religionslehrer montags, wer am Sonntag nicht drin war. Da waren es einer, höchsten drei, die er dann am Ohr zupfte. Im Heidelberger Stadtteil Handschuhsheim gab es sonntags vier gut besuchte Gottesdienste (7:00, 8:00, 9:30 und 11:00 Uhr). Ein Stadtpfarrer mit dem Titel „Geistlicher Rat“ und zwei Kapläne leisteten das. Heute gibt es in dieser Kirche (St. Vitus) sonntags keinen Gottesdienst mehr. Seit dem 1. Januar 2015 bilden ehemals zwölf katholische Pfarrgemeinden eine einzige Seelsorgeeinheit: die „Katholische Stadtkirche Heidelberg“. Es fehlen die Priester und die Kirchgänger. Wie es bei den Evangelischen ist, kann ich nicht sagen.

Zum Nachdenken über Tags:

Jeder kann sich fragen, wie tiefgreifend sich der Wandel in der eigenen Familie vollzogen hat. In unserer Familie und großen badischen Verwandtschaft gingen damals sonntags alle in die Kirche, waren gute Katholiken. Bei meiner Frau im katholischen Münster / Westf. war es genauso. Heute geht von unseren zahlreichen nahen Verwandten niemand mehr sonntäglich in die Kirche. Immer mehr sind zu meiner Überraschung aus der Kirche ausgetreten. Das erfährt man, wenn man Taufpaten sucht.

Zur Vertiefung:

Was ist passiert? Auslöser, nicht Ursache war das II. Vatikanische Konzil (1962 – 1965). Die einen haben sich mit der „neuen Kirche“ nicht mehr angefreundet; die anderen sind sich ihrer unterschwelligen Zweifel bewusst geworden. Das Konzil öffnete den Korken und ließ den Geist aus der Flasche. Welcher Geist erschien und welche Ursachen die heutige Verkündungsnot wohl hat, fragen wir das nächste Mal.

Montag: Die Dogmen und die Wahrheit

One thought to “6. Die Krise der Christen”

  1. Gründe der Krise der Christen
    Sicher ist dieser Gedanke nur ein kleiner Mosaikstein, aber nach meiner Beobachtung ist die Verkündigung des Glaubens, der Gedanke der Missionierung zugunsten einer eher caritativen Tätigkeit der Kirche, zu sehr in den Hintergrund gerückt (worden).
    Der Glaube an Gott, an das Wort Gottes sollte m.E. gegenüber der „Gemeinschaft der Menschen“ im Vordergrund stehen.
    Dr. Balzer

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